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Immer die "armen" Au-Pair ! (Gelesen: 10964 mal)
Astrid
Ex-Mitglied


Immer die "armen" Au-Pair !
31.12.2007 um 22:44:44
 
Guten Tag !

Immer hört man nur das eine : Die armen Au-Pairs werden ausgebeutet und müssen so viel arbeiten.
Das ist doch immer die Standard-Ausrede !
Wir hatten auch bis vor kurzem ein Mädchen aus Kirgistan. Wir waren bereits ihre 2. Gastfamilie innerhalb
1 Monat. Das große Problem: Sie konnte fast kein Deutsch.
Ich versteheh gar nicht, wie so ein Mädchen, den Deutschtest bei der Botschaft bestehen konnte.
Wir haben uns wirklich sehr sehr große Mühe geben, Deutschkurs bezahlt, Fahrt zum Kurs bezahlt,
Arbeitsbücher gekauft und und und.
Nach ca. 6 Wochen merkten wir keinen Fortschritt in der Sprache. Mit unseren Kindern sprach sie überhaupt nicht.
Dann haben wir uns entschlossen, dass sie nicht bei uns bleiben konnte. Wir telefonierten mit der Au-Pair-Agentur.
Die Dame sagte uns und auch unserem Au-Pair, dass sie nicht mehr wechseln könne und wenn es nicht klappt nach hause
zurück müsse.
Wir haben uns dann breit schlagen lassen und sie doch behalten.
Bis sie kurz vor Weihnachten plötzlich auf und davon ist und zu einer angeblichen Freundin.
Wir hatten wirklich sehr viel Geduld mit ihr und waren so großzügig.
Die Arbeit war mit Sicherheit nicht zu viel (eher das Gegenteil).
Auch sind wir überhaupt nicht pingelig.
Ich ärgere mich nur, wenn ich lese, die Au-Pairs werden ausgebeutet.
Besonders den Mädchen aus diesen armen Ländern sollte eigentlich bewusst sein, welches Glück sie haben, in Deutschland
zu arbeiten und (für ihre Verhältnisse) sehr viel Geld zu verdienen.
Zudem erhalten Sie freie Unterkunft und Verpflegung und einen Lebensstandard (TV, PC), von dem viele nur
träumen können.
Und bei den Mädchen aus armen Ländern steht auch nur das Geld im Vordergrund. Denen ist es egal ob sie gut deusch sprechen, und ob die Gastfamilie zufrieden ist. Da geht es nur darum, die Zeit "abzusitzen".
Was kann die Gastfamilie denn tun, wenn das Au-Pair schlecht arbeitet und unhöflich ist ?
Gar nichts. D. h. man kann dem Mädchen kündigen und zusehen, wie man wieder ein neues Mädchen findet.
Das ist aber meistens mit ziemlichen Aufwand verbunden und so schraubt man einfach seine Erwartungshaltung
zurück und akzeptiert die gegebene Situation einfach. So war es zumindest bei uns.

Wir haben jetzt wieder Kontakt zu einem Wechsel-Au-Pair aus Kenia.
Wir zögern allerdings etwas wegen dem Land Kenia. Wir haben uns geschworen kein Mädchen mehr aus einem
armen Land zu nehmen, weil bei denen nur das Geld im Vordergrund steht.
Zudem hat das Mädchen eine Schwester in München. Wir leben ca. 200 km von München entfernt.
Warscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, wenn sie in näherer Umgebung von München eine Familie findet und uns wieder
verlässt. Das ist dann auch für unsere Kinder nicht gut, immer wieder eine andere Person im Haushalt zu haben.
Wenn der Zeitpunkt gekommen ist wird sie vielleicht wieder sagen:

Ich musste ja sooooo viel arbeiten !

Guten Nacht und einen gesundes Neues Jahr wünscht

Astrid Messer-Thirimadurage
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Conny
Ex-Mitglied


Re: Immer die "armen" Au-Pair !
Antwort #1 - 15.01.2008 um 20:52:19
 
Hallo Astrid,

ich kann Deine Verägerung teilweise versehen. Aber eben nur teilweise. Und ein Aspekt in Deiner E-Mail stößt mir ganz gewaltig auf: Deine Aussage über "arme Länder". Wenn Du das auf das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen beziehst, hast Du sicher recht, aber es gibt auch dort eine Oberschicht, intelektuell und finanziell.

Wir haben auch ein Aupair-Mädchen aus Kirgisien. Sie spricht recht gut deutsch (und englisch, russisch sowie türkisch), pflegt einen absolut westlichen Lebensstil und ist mit Sicherheit NICHT wegen des Taschengeldes hier. Sie nutzt ihre Freizeit, um noch besser deutsch zu lernen (liest beispielsweise deutsche Bücher), und sie will in ihrer Zeit, die sie bei und mit uns verbringt, auch etwas sehen von Europa. Von Ihrem Taschengeld finanziert sie beispielsweise Busreisen nach Paris, London und Prag.
Auch sie war vorher schon in zwei anderen Familien und hat uns Deutsche von einer sehr hässlichen Seite kennengelernt. Als die Au-Pair-Agentur mich über die Vorgeschichte informiert hat, hab ich mich in Grund und Boden geschämt über die Art und Weise, wie manche Leute mit den Mädchen umgehen.

Auch bei uns gab's anfang Situationen, wo (sehr) deutliche Worte notwendig waren. Wir haben aber auch nicht erwartet, dass das Au-Pair Gedanken lesen kann oder versteckte Botschaften versteht.
Insgesamt wurde sehr schnell klar, was wir von ihr erwarten und welche Freiheiten sie bei uns genießt. Und wir haben inzwischen auch gelernt, einzuschätzen, woran "unser" Au-Pair interessiert ist (Wanderungen durch landschaftlich reizvolle Gegenden gehören nicht dazu Zwinkernd).

Fazit: Ich denke, es kommt IMMER auf die Persönlichkeiten an, die aufeinander treffen, weniger auf das Land, aus dem man kommt. Entweder findet man zueinander, oder es passt eben nicht. Darin unterscheiden sich Au-Pairs und Gastfamilien nicht von allen anderen menschlichen Beziehungen.

Vielleicht haben wir auch außergewöhnliches Glück gehabt - mag sein. Aber ein bisschen ist es sicher auch so, wie mit dem berühmten Wald, aus dem es so herausschallt, wie man hineinruft.

Schönen Gruß
Conny
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berlinin
Ex-Mitglied


Re: Immer die "armen" Au-Pair !
Antwort #2 - 06.11.2012 um 14:52:32
 
Ich habe leider inzwischen meine Euphorie in Sachen Au Pairs ebenfalls verloren und kann viele Punkte verstehen. Ich habe inzwischen 6 Au Pairs gehabt und nur eines der Mädchen hat ihre Chance wirklich genutzt.
Ich habe inzwischen verstanden, dass die Interessen von Au Pairs und Familie oft weit auseinander liegen. Die Familie braucht Unterstützung im Alltag mit den Kindern und im Haushalt, das Au Pair möchte in den meisten Fällen endlich mal ins Ausland, mit anderen jungen Menschen Kontakt haben, sich amüsieren, manchmal auch die Sprache verbessern.

Meine Erfahrungen haben gezeigt (und der Ablauf war immer der Gleiche), dass die Mädchen erst äußerst motiviert sind, damit sie ihr Visum bekommen. Sie akzeptieren die Aufgaben, die man ihnen per E-Mail beschreibt voll und ganz. Dann kommen sie und dann ist alles noch schön. Nach ca. 2-3 Monaten stellen sie fest, dass sie ja tatsächlich auch etwas arbeiten müssen und nicht nur lächelnd neben den Kindern sitzen. Spätestens da gehen dann die Diskussionen los, eine Anspruchshaltung wird aufgebaut und im schlimmsten Fall hat das Mädchen keine Lust mehr und versucht, eine andere Familie zu finden, in der es es angeblich leichter hat. Wir hatten da mit unseren 3 Kinder immer schlechte Karten!

Wenn dann noch eine Agentur dazu kommt, die, statt sich mit Familie und Au Pair um eine Lösung zu bemühen, das Au pair ermuntert die Familie zu wechseln - ohne auch nur einmal mit der Familie gesprochen zu haben, dann kommt man spätestens auf den Boden der Tatsachen zurück. Da wird einem klar, das die Vermittlung einer Wechslerin eben noch mal Geld in die Kasse spült, ohne den Aufwand mit dem Visum zu haben. Die gleiche Agentur hatte im Übrigen auch ein von uns reserviertes Mädchen "aus Versehen" an eine andere Familie vermittelt - klar, die haben ja gleich bezahlt (war übrigens die Au Pair Agentur Berlin).

Mit meinem Latein bin ich jedenfalls am Ende, da die Mädchen einfach noch zu jung im Kopf sind, meist nicht wirklich Lust haben, die Familie zu unterstützen und dies als lästige Last sehen. Es wird sich auch nichts ändern, solange die genauen Tätigkeiten nicht gesetzlich geregelt sind (was sind denn leichte Hausarbeiten??? - da hat jede Agentur eine andere Meinung dazu).

Ich kann nur sagen, versucht, ohne Au Pair auszukommen, soweit Ihr könnt!
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