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Ausbeutung einer AuPair (Gelesen: 8318 mal)
APFS
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Ausbeutung einer AuPair
13.06.2008 um 15:09:14
 
Auszug aus der Main-Post

Wegen des Vorwurfs des Menschenhandels muss sich eine 51-jährige Frau aus dem Landkreis Bad Kissingen seit Donnerstag vor dem Amtsgericht in Bad Kissingen verantworten.
Die Angeklagte soll zwei Au-pair-Mädchen aus der Mongolei ab 2004 als billige Arbeitskräfte missbraucht haben.


Fast zwei Stunden dauerte am ersten Verhandlungstag die Befragung der Angeklagten. Deren Auftreten vor Gericht war überaus selbstbewusst. „Die Vorwürfe gegen mich sind unglaublich“, sagte sie. Ihrer Ansicht nach sei ihre Gutmütigkeit und ihre herzliche Zuneigung zu einer heute 25-jährigen Mongolin von dieser ausgenutzt worden. „Nun stehe ich als die Böse da.“

Eine der beiden Mongolinnen war ab Herbst 2004 in der Familie der Frau tätig. Mittlerweile studiert die 25-Jährige in München. Sie war schon vor der Hauptverhandlung als Zeugin befragt worden. Ihre Aussagen lagen nun schriftlich vor. Demnach sei die junge Frau rund um die Uhr mit Hausarbeiten beschäftigt gewesen und habe sich auch um Gartenarbeiten und um die zahlreichen Hunde der Züchterin kümmern müssen.

Demgegenüber sagte die Angeklagte, das Au-Pair-Mädchen habe genügend Zeit auch für sich gehabt.  Die Mongolin hätte auch Zeit gehabt, einen Sprachkurs zu machen.  „Ich hatte sie angemeldet, aber sie ist gar nicht hingegangen,“ sagte die 51-Jährige.
Weil das Mädchen nach Ablauf des Jahres bei der Familie habe bleiben wollen, habe sie nach Wegen gesucht, die Aufenthaltsgenehmigung für die Mongolin zu verlängern.
Gerade das ist einer der Knackpunkte des Falles, da Angaben der  Angeklagten bei der Ausländerbehörde augenscheinlich nicht der Wahrheit entsprachen.


In dem Prozess, der bislang auf zwei Tage angesetzt ist, sollen elf Zeugen gehört werden. Am gestrigen Donnerstag traten fünf von ihnen in den Zeugenstand. Darunter waren ein früherer Mitarbeiter der Ausländerbehörde, ein Sozialversicherungsangestellter und ein Beamter der Zollfahndung. Auch das zweite Au-pair-Mädchen, eine heute 26-jährige Mongolin, wurde gehört. Zur ihrer sprachlichen Unterstützung wurde eine Dolmetscherin vereidigt.

Unter Tränen schilderte die 26-Jährige, die mittlerweile in Österreich lebt, ihr sehr schwieriges Verhältnis zu der Angeklagten, in deren Haus sie ab Anfang Januar bis Ende Februar 2007 lebte. „Ich hatte Angst vor dieser Frau.“ Sie habe jeden Tag um sechs Uhr aufstehen müssen und einen Zettel mit Arbeiten für den ganzen Tag bekommen. Zeit für sich habe sie kaum gehabt. „Sogar die Hundepokale habe ich abstauben müssen“, sagte die junge Frau in gebrochenem Deutsch.

Am 23. Februar 2007 sei die Lage schließlich eskaliert. „Ich wollte weglaufen.“ Daran habe sie die Angeklagte zunächst gehindert. Auch ihren Pass habe sie nicht ausgehändigt bekommen, schilderte die Mongolin. Nachdem es ihr im Lauf des Tages doch noch gelungen sei, das Anwesen zu verlassen, habe sie mit Hilfe von Freunden am Abend die Polizei verständigt.


Das Gericht muss klären, ob beide Frauen aus der Mongolei tatsächlich ausgebeutet und mit einem geringen Taschengeld abgespeist wurden, obwohl der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit möglicherweise dem entspricht, was ansonsten Tierpflegerinnen leisten. Deren Gehalt beträgt für gewöhnlich ein Fünffaches. Entsprechend hätte die Züchterin auch Sozialabgaben leisten müssen. Es geht bei der Verhandlung also auch um viel Geld.

Der Richter wies die Angeklagte und ihren Verteidiger eindringlich darauf hin, auf jegliches Taktieren zu verzichten. „Was wir bislang gehört haben, klingt nicht nach Super-Nanny“, sagte er.
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