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Unser AuPair aus Kenia (Gelesen: 4838 mal)
grossfamilie
Ex-Mitglied


Unser AuPair aus Kenia
20.06.2009 um 22:45:28
 
Im Januar holten wir unseren AuPair am Flugplatz in Frankfurt ab. Auf dem Flug (oder schon vorher) hat er die Bekanntschaft einer weiteren Kenianerin, ebenfalls AuPair in der Nähe von Darmstadt gemacht.
Unsere Kinder waren an diesem Tag bei der Oma. "Martin" fragte auch direkt bei der Ankunft nach ihnen. Nach über einer Stunde Fahrt sind wir dann gegen 23.00Uhr im Hunsrück angekommen.
Martin war sehr müde von der Reise und ging auch sogleich zu Bett.
Am kommenden Morgen kam Martin dann etwas verwirrt zum Frühstück. Es war ja eine neue Umgebung - oder bekam er jetzt schon den ersten Kulturschock?
Im Vorfeld haben wir viele Mails geschrieben, Telefoniert und auch Bilder versendet. Von der Familie, unserem zu Hause, der Arbeit usw. - auch vom Wetter (Schnee, Regen und auch Sonnenschein)
Doch auch wir waren etwas geschockt. Wo waren die Deutschkenntnisse von Martin geblieben? Wir haben mehrfach telefoniert und in deutsch und verschiedentlich auch in englisch miteinander gesprochen.
Am Nachmittag kamen dann unsere Kinder und wie Sie nun mal sind haben sie ununterbrochen mit Martin gesprochen und Fragen gestellt - die aber unbeantwortet blieben. Die Hinweise an die drei, 6, 7 und 14 Jahre alten Kinder, doch bitte langsam, deutlich und mit Blickkontakt mit Martin zu sprechen wurden soweit es geht von ihnen auch aufgenommen und verstanden. Auch das er nicht gut deutsch könne und nicht alles verstehen würde, wurde wiederholt erklärt.
Doch dies sollte sich ja ändern, schließlich gab es in der Nachbargemeinde (9 km)ja eine VHS mit verschiedenen Deutschkursen im Angebot. Dies war ja in sofern kein Problem, da unser AuPair ja einen Führerschein hatte. Denn dies war ja mit ein Hauptsuchkriterium.
Schließlich hatten wir uns auch schon schlau gemacht, wie und wo diese Genehmigung auf ein Jahr erweitert werden kann.
Doch dann erfuhren wir von Martin auf englisch, dass er den Führerschein in Kenia habe. Dies stellte für uns aber noch kein Problem dar, denn so etwas kann man ja auch per Post senden. Er möge bitte seine Elern anrufen und dies veranlassen.
Im weiteren legten wir mit Martin und unseren Kindern gemeinsam gewisse Regeln fest, da wir Beide berufstätig sind. Er in Vollzeit als Manager mit sehr unterschiedlichen Arbeitszeiten und sehr weit auseinanderliegenden Arbeitsstätten. Sie in Teilzeit in einer Boutique.
So gehörte an verschiedenen Tagen das Wecken, fertigmachen und Frühstück der beiden Kleinen zu den Aufgaben, wie auch das gemeinsame Spielen, Zimmer aufräumen, Zubereitung des Abendessens mit anschließendem zu Bett bringen zu den Aufgaben. Natürlich sollte hier und da auch eine Mithilfe im Haushalt beim Saugen, Spülen, Bügeln der Kinderwäsche erfolgen.
Die persönlichen Belange wie eigene Wäsche, -Zimmer und -Bad wurden ebenso besprochen.
So stellten wir dann nach der 1. Woche fest, dass unser AuPair keine Wäsche zum Waschen brachte. Diese wusch er auf der Hand mit Shampoo. Auch nach mehrmaligem Gespräch dauerte es noch ca. zwei Wochen, bis auch die Unterwäsche den Weg zur Waschmaschine fand.
Bügeln der eigenen Wäsche fand gar nicht statt. Die Reinigung seines Zimmers und Bades mußte immer wieder angemahnt werden.
Und zwischendurch wieder die Nachfragen nach dem Führerschein. Er habe noch nicht telefoniert, dass sei so teuer. Auch den Hinweis unser´Telefon zu benützen brachte uns nicht weiter. Wir erklärten "Ihm" nochmals die Lage und warum wir Ihn ausgewählt hatten. Dass der Führerschein mit ein Hauptkriterium bei der Wahl war. Genauso wie seine "guten" Deutschkenntnisse, die auf wundersame Weise nicht mehr vorhanden waren.
           Jeden Abend verabschiedete sich unser AuPair um 19.30Uhr brav in sein Bett - er sei müde. Eine engere Bindung konnte gar nicht hergestellt werden. Natürlich war es ja auch keine Verpflichtung noch am Abend mit der Familie zusammen zu sitzen.
Da das Wetter sich dann für die Jahreszeit entsprechend zeigte, kleideten wir unseren AuPair erstmals richtig ein. So wurden die Flipp Flopps durch Pantoffel ersetzt. Pullover, Winterjeacken, Handschuhe, Schneestiefel usw. sollten das Wohlbefinden unseres AuPair ergänzen.
Die Bekanntschaft aus Kenia meldete sich auch in regelmäßigen Abständen am Telefon. Oft wurde eine Stunde telefoniert und die Kinder sich selbst überlassen. So kam dann auch der Tag, wo unser AuPair zu "IHR" fahren wollte, um sie zu besuchen. Gott sei Dank gibt es ja eine Busverbindung von dem nahegelegenen Flugpltz Hahn aus. Den Fahrplan druckte ich dann vorsorglich mal aus und gab ihn weiter. Wann dieser Besuch stattfinden sollte teilte uns Martin auch nach Nachfragen aber nicht mit.
Samstagabends waren wir 100 km entfernt zu einer Familienfeier - ohne unsere drei Kinder. Sie waren ja in Obhut des Aupairs. Aus der Erfahrung heraus kann man auch sagen, wenn sie schlafen ist Ruhe eingekehrt und passiert nichts mehr.
So waren wir dann mehr als überrascht, als wir nach Hause kamen und eine Notiz von dem Älteren vorfanden; dass unser AuPair am Sonntagmorgen um 8.00 Uhr zum Flugplatz gefahren werden wolle. (Raten Sie Mal wer am nächsten Morgen um 8.00 nicht fertig war)
Mit den Wochen wurde für uns immer klarer, dass sich an dieser Situation wohl nicht mehr viel ändern würde. Die Kleinen gingen nicht mehr auf Martin zu. "Der versteht uns ja nicht". "Der schreit uns an". Es gab auch nichts mehr von den Süßigkeiten, die die Kleinen zu gern verteilt haben. Im Gegenteil. Sie beschwerten sich, dass er jetzt einfach nehmen würde - ohne zu Fragen.
             Wir stellten unserem AuPair nun ein Ultimatum. Zwei Monate waren vergangen. Keine merklichen Verbesserungen hinsichtlich des zusammen harmonierens, der Verlässlichkeit, des Verantwortungsgefühls usw. erkannbar.
Zwei Wochen noch wollten wit ihm Zeit geben, dann aber die Konsequenzen ziehen. In einem offenen Gespräch, in englisch und unter zu Hilfenahme eines Wörterbuches machten wir deutlich um was es für Martin ging.
Und so waren wir dann gezwungen unserem AuPair zu kündigen. Es schien ihn wohl kalt zu lassen - oder hatte er es immer noch nicht verstanden. Statt sich um eine Wechselaupairstelle zu kümmern, wollte Martin wieder zu Besuch fahren. Ich machte ihm nun in aller Deutlichkeit klar, dass seine Zeit in unserer Familie für Ihn zu Ende ging. Er hatte ja noch Urlaub und eine weitere Woche Aufenthalt gestanden wir ihm zu.
Ich zeigte Ihm im Internet verschiedene AuPair Seiten. Unter anderem auch diese hier. Ein Profil von sich aus, hat er nicht erstellt. Da waren wir Ihm behilflich. Machten Bilder. Stellten diese ein, usw. In diesem Zuge erfuhren wir dann auch, dass wohl eine Cousine von Ihm in Nairobi eine AuPairagentur habe und diese sein damaliges Profil erstellt hat. Die Angabe von Geschwistern war genauso unrichtig, wie seine Angaben über die Zukunft und auch den Führerschein. Der Führerschein war wohl begonnen, aber noch keine Prüfung abgelegt. hä?
So wollten auch verschiedene Familie wissen, warum er wechseln wolle und auch mit uns sprechen. Und, hier bitte ich vielleicht um Entschuldigung, ich konnte und wollte nicht die Familie nicht belügen. Z. Bsp. die Familie aus der Nähe von Mainz, die zwei kleine Kinder hat und auch auf dem Land lebt. Ebenso wie wir einen AuPair sucht - mit Führerschein und guten Deutschkenntnissen. Und alle anderen. Vielleicht danken Sie mir jetzt ja auch alle Smiley
Unser AuPair schien es immer noch nicht wahrhaben zu wollen. Wir hingegen machten uns aber schon weitere Gedanken. Ein neues AuPair!? woher? wann? usw.. Wie kommen wir aus der Situation mit dem Sicherungsschein raus? Wie können wir sicher sein das er zurück nach Kenia fliegt? Schließlich haben wir einen Sicherungsschein unterschrieben und sind für unser AuPair verantwortlich.
So rief ich dann bei der Kreisverwaltung an und teilte den Damen und Herren mit wo der Schuh drückt. Dort erhielt ich aber eine Antwort. Auch wenn er ausreisen würde, könne er nächste Woche mit seinem Visum wieder kommen und wir wären immer noch für ihn verantwortlich. Hier würde nur die Löschung des Visa´s helfen. Man würde dann eine Grenzübertrittsbescheinigung ausstellen und das AuPair müsse dann bis zum festgelegten Tag ausreisen. Ansonsten würde er kein Visa mehr für Deutschland erhalten.
Im Internet suchten wir dann einen günstigen Direktflug für Martin. Viele Angebote gab es. Von 330€ bis ?€. Da die ganze Sache uns allen sehr Nahe ging, rief ich auch Herrn Gerner an und schilderte ihm nochmals den ganzen Sachverhalt. Mit allem drum und dran. Auch wie ich gedachte, Martin wieder zurück nach Kenia zu schicken. Auch das Martin sagte, dass er nicht zurück könne, da die Familie das Geld benötigen würde, da seine Schwester im Krankenhaus sei und opperiert werden müsse. Und alles so teuer sei. Sein Vater wohl einen Kollaps bekommen würde oder schlimmstenfalls sogar einen Herzinfarkt und sterben würde.
Diese oder ähnlich lautende Sachen wären nicht ganz unüblich in diesen Situationen. Er sah auch keine Möglichkeit Martin aufzunehmen und auch weiter zu vermitteln. So empfahl auch er mir den Weg gradlinig weiter zu gehen und Martin Heim zuschicken. Mit den Worten: "wer denn den Flug bezahle". "Dies sei ja wohl Sache des AuPairs", war meine Meinung. "Hat er denn das Geld dafür?" Und da war ich mir sehr sicher, "wo sollte er es denn ausgegeben haben und wofür?"
Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg zur Kreisverwaltung. Ortsausgangs kam ich mit Martin ins Gespräch wegen des Flugtickets, dass er dann eins kaufen müsse. Nachdem er mir offenbarte, das er kein Geld habe unterbrach ich sofort die Fahrt und kehrte wieder um. Zu Hause wollte ich wissen wo das Geld geblieben sei. "Er habe es nach Kenia geschickt". Ich ließ mir darauf hin seine Papiere zeigen und auch die Einzahlungsquittungen. Anschließend war ich mir sicher das er noch einen Rest haben müsse. Diesen ließ ich mir dann zeigen und nach kurzem Rechnen war klar, dass dieses und der offene Monat reichen würde für das Flugticket.

- Fortsetzung -
siehe 2. Bericht
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